„Das beste Ergebnis, das wir je hatten“

 

Podiumsdiskussion über die Bedeutung des Klimagipfels von Paris

 

„Paris war eine Sensation, ein Super-Ergebnis“, wertete Helmut Hojesky, Leiter der Klimasschutzabteilung im Umweltministerium den Ausgang der UN-Klimakonferenz COP21 von Paris im letzten Dezember. „Das war das beste Ergebnis, das wir je hatten“.

 

Auch Helga Kromp-Kolb, Leiterin des des Zentrums für Globalen Wandel an der Boku Wien, würdigte die Pariser Einigung, die aber jetzt schnell in eine Umsetzung gebracht werden müsse: „Paris ist eine Chance, die wir nutzen müssen“. Wer nun was genau tun müsse, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, sei eine Diskussion, die auch in Österreich intensiviert werden müsse.

Zuvor hatte in der Abendveranstaltung des ersten Kongresstages IIASA-Geschäftsführer Nebosja Nakicenovic in einer Keynote den dringenden klimapolitischen Handlungsbedarf im 21. Jahrhundert aufgezeigt. Im Zeitalter der Industrialisierung seien bereits 2000 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre abgelagert worden. Wenn noch 1000 Milliarden Tonnen bis 2050 hinzu kämen, sei der Kipp-Punkt zur Klima-Katastrophe erreicht. Deshalb sei die Dekarbonisierung der Wirtschaft eine der Hauptaufgaben der nächsten Jahre. Wichtig sei, nicht isoliert zu handeln, sondern viele Transformationslinien zusammen zu binden. Viel hänge davon ab, eine Technologie- und eine Verhaltenswende der Menschen zu integrieren. Nakicenovic: „Wir brauchen einen radikalen Wandel“.

 

Der Schweizer Agrarexperte und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren, hob die Bedeutung der Landwirtschaft für eine Klimawende hervor. Heute werde der Treibhauseffekt zu 50 % durch Prozesse in Agrarbereich, vor allem der Viehzucht, und dem Ernährungsverhalten, speziell dem Fleischverzehr, verursacht. Dabei ginge es völlig anders: Mit einer alternativen Landwirtschaft und weniger Verschwendung könnten sogar 14 Milliarden Menschen ernährt werden. Zudem sei es bei anderen Verfahren der Bodenkultur möglich, dass pro Jahr 900 Tonnen pro Hektar im Erdreich gespeichert werden. Leider sei der Bereich Landwirtschaft in den Pariser Verhandlungen nicht seiner Bedeutung entsprechend zur Sprache gekommen. „Zeit haben wir keine mehr“, so Herren. „Wir müssen die Landwirtschaft jetzt auf Agrarökologie umstellen, nicht erst in zehn Jahren“.

In der folgenden Diskussion wurde sowohl über die konkreten Gestaltungsmöglichkeiten in Österreich gesprochen wie auch über die Bedeutung von Visionen, um breite gesellschaftliche Kreise für den Wandel zu begeistern, zumindest einzubeziehen. Die Klimareporterin Mira Kapfinger  entwarf als Sprecherin der jungen Generation eine Zukunftsvorstellung, in der statt globaler Märkte regionale Wirtschaftskreise die Ökonomie prägen, in der es Ernährungssouveränität und Energiedemokratie gibt – eine undenkbare Zukunft?

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