Wachstum und Ressourcenverbrauch

Der steigende Verbrauch von Ressourcen in den Industriestaaten und in Schwellenländern führt die Erde an den Rand einer ökologischen Katastrophe. Herausforderung ist es, die wirtschaftlichen Aktivitäten vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, um gerecht verteilten Wohlstand für die Menschen zu schaffen, Ökosysteme zu schützen und die Klimaschutzziele zu erreichen.

  • Wie können Lebensqualität und Wohlstand auch mit deutlich geringerem Energie- und Ressourceneinsatz erreicht werden?
  • Wie kann verhindert werden, dass Effizienzgewinne zu noch mehr Verbrauch führen?
  • Ist über die relative Entkopplung hinaus vor dem Hintergrund der globalen Bevölkerungsentwicklung eine absolute Entkopplung von Produktionswachstum und Ressourcenverbrauch möglich und realistisch?
  • Welche natürlichen Verfügbarkeitsgrenzen müssen für die Nutzung von Ressourcen beachtet und für die wirtschaftlichen Prozesse eingeplant werden?
  • Wie wird der internationale Wettlauf (auch aufstrebender Ökonomien) um Ressourcen geregelt? Brauchen wir spezifische internationale Ressourcennutzungsabkommen?
Wachstum und Ressourcenverbrauch – Keine unendliche Geschichte

Bei Familie Klein sind Laptop, Videospielkonsole, DVD-Player und LCD-Fernseher gleich mehrfach vorhanden – ansonsten wäre der Streit um die Nutzung wohl vorprogrammiert.

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Den Kleins ist bewusst, dass sie damit einen negativen Beitrag zum Klimawandel leisten. Denn der Energieverbrauch steigt in den westlichen Industrienationen – trotz technischer Effizienzverbesserungen. Eine Ursache ist die zunehmende Nutzung von Verbrauchselektronik und Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik wie beispielsweise LCD-Fernseher oder DVD-Spieler – und das oftmals in doppelter oder dreifacher Ausführung pro Haushalt. Auch immer leistungsfähigere und größere Geräte sorgen für einen steigenden Energieverbrauch

Um ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, beschäftigt sich die gesamte Familie seit einiger Zeit mit dem Thema Ressourcensparen: Vater und Sohn haben vor einigen Monaten zwei Drittel aller Glühbirnen im Haus gegen Energiesparlampen ausgewechselt, bei Elektrogeräten wird bei Nichtgebrauch nach Möglichkeit der Netzstecker gezogen. Frau Klein hat sich beim aktuellen Auto-Neukauf für ein Hybridfahrzeug entschieden. Und seit Katharina in der Schule erfahren hat, dass die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch das Klima so stark belastet wie 250 Kilometer Autofahrt, verzichtet sie auf Fleisch.

Als Familie Klein ein halbes Jahr später erneut ihren ökologischen Fußabdruck misst, staunt sie nicht schlecht: Die umgesetzten Maßnahmen haben wenig Verbesserungen im Ergebnis gebracht. Vor allem die Ernährungs- und das Konsumverhalten der Kleins sorgen noch immer für einen hohen Ressourcenverbrauch. Familie Klein fragt sich, ob letztlich vielleicht doch nur weniger Konsum Verbesserungen bewirkt? Die Bestellung des dritten LCD-Fernsehers beim Händler ums Eck haben die Kleins jedenfalls storniert.


6 Kommentare

  1. Hubert Reisinger
    Erstellt am 24. November 2009 um 13:19 | Permanent-Link

    Was sind die Hauptgründe für den stetig wachsenden Ressourcenverbrauch:
    a) Die Wirtschaft ist an hohen Umsätzen interessiert und propagiert daher die Wegwerfgesellschaft
    b) Materialkosten sind im Verhältnis zu Arbeitskosten gering – Reparatur ist gegenüber Neukauf von Massenprodukten teuer
    c) Materieller Wohlstand führt zu sozialer Sicherheit und gibt das Gefühl von hohem Prestige.

    Hohe Umsätze in der Wirtschaft sind aber nicht notwendigerweise mit hohem Materialverbrauch verbunden. Soziale Sicherheit kann auch durch Gesellschaften mit aktiver Nachbarschaftshilfe oder hoher gesellschaftlicher Solidarität geschaffen werden. Daher können öffentliche und private Dienstleistungen Produkte und Materialverbrauch ersetzen oder ihren Einsatz deutlich verringern.

    Vor diesem Hintergrund wird bedauert, dass der Aktionsplan der Europäischen Kommission zu nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion bei der Verbesserung von Produktkennzeichnung halt macht und nicht bis zur Förderung von Möglichkeiten vordringt, die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Bevölkerung auch immateriell zu befriedigen.

    Wie das Europa der historischen Periode 1914 bis 1950 sehr deutlich gezeigt hat, ist eine absolute Entkopplung möglich und angesichts der Endlichkeit natürlicher Ressourcen für die Zukunft mit Sicherheit zu erwarten. Die Frage ist nur, ob wir als private Konsumenten und politische Wesen flexibel genug sind, über die täglichen Sorgen hinaus, auch einen Blick in die mittlere und weitere Zukunft zu werfen und uns pro-aktiv anzupassen und einen Teil des Wohlstandes den wir heute generieren in Projekte für zukünftige Generationen zu investieren.

    Es werden immer effizientere Technologien entwickelt, die aber in der Regel im mehr verschiedene und zunehmend exotischere (im Sinne von schwerer zugänglich) Metalle enthalten. Die Technologieführerschaft Europas auf einigen Gebieten von Zukunftstechnologien und damit eine der wichtigsten Grundlagen für unseren Wohlstand wir nur dann aufrechterhalten werden können wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
    1. Mit den Materialien wird effizient und sparsam umgegangen
    2. Der Planungshorizont bezüglich der Verfügbarkeit von Ressourcen muss auf mehrer Jahrzehnte ausgedehnt werden
    3. Bei Technologieentwicklungen muss die zukünftige Verfügbarkeit von Rohstoffen mitberücksichtigt werden
    4. Die Konkurrenz mit produzierenden Schwellenländern lässt sich dadurch abmildern, dass auch die Schwellenländer die gleichen Umweltstandards und sozialen Standards befolgen wie die europäischen Staaten – im Prinzip haben wir als Konsumenten die Wahl welche Produkte wir kaufen, eine Anhebung der Umwelt- und sozialen Standards in den Ursprungsländern würde es deutlich erleichtern auch das richtige zu tun.
    5. In Ausbildung, Forschung und Entwicklung von Dienstleistungen und effizienten Produkten muss ein wesentlicher Anteil des heute generierten Kapitals investiert werden.

  2. DI Franz Klemm
    Erstellt am 17. Dezember 2009 um 07:23 | Permanent-Link

    Es ist unbestritten, daß im österreichischen Energiemarkt investiert werden muß, um die Energieversorgung in Österreich dauerhaft zu sichern.
    Es ist davon auszugehen, daß diese Mittel nicht aus öffentlichen Haushalten finanziert werden können.
    Es ist daher wichtig, die Energieindustrieunternehmen in Österreich in die Weiterentwicklung des energiepolitischen Konsenses einzubinden.

    Kohle ist weltweit ein wichtiger Energieträger. Von keinem anderen fossilen Energierohstoff ist noch so viel auf der Erde vorhanden wie von Kohle. Am weltweiten Kohleverbrauch im Jahr 2004 gemessen, reichen die Reserven an Steinkohle ab Anfang 2005 noch 172 Jahre, die an Braunkohle noch 218 Jahre. Die tatsächlichen Reichweiten werden allerdings von diesen statisch ermittelten Zahlen abweichen, denn die globale Wirtschaft entwickelt sich sehr dynamisch.
    Auf der Basis verbesserter Technik wird die Kohle in der Stromerzeugung ihre Position in der Zukunft halten und möglicherweise sogar ausbauen können. Denn aufgrund ihrer langfristig sicheren Verfügbarkeit ist sie dauerhaft besonders in der Stromerzeugung ein wichtiger Grundpfeiler preisgünstiger Energieversorgung.

    Bei der Errichtung von neuen Anlagen soll auf einen hohen Wirkungsgrad Wert gelegt werden, sowie verstärktes Engagement hinsichtlich Forschung und Entwicklung – sowohl national als auch europaweit.

  3. DI Franz Klemm
    Erstellt am 17. Dezember 2009 um 07:38 | Permanent-Link

    Eine große Herausforderung für die Stromversorgung besteht darin, Kohle als einen der weltweit wichtigsten fossilen Energieträger möglichst so einzusetzen, dass Emissionen von Kohlendioxid minimiert werden. Die Abscheidung und anschließende Speicherung des bei der Verbrennung anfallenden Kohlendioxids (C02) könnte hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Technisch kann es möglich sein, 20 bis 40 % des globalen C02-Ausstoßes bis 2050 durch C02-Abscheidung und Speicherung (Carbon Capture Storage, CCS) zu vermeiden. CCS ist nicht nur bei Kohlekraftwerken möglich, sondern auch für andere C02-emittierende Industriebranchen wie die Stahl- oder Chemieindustrie.
    Die fossilen Energieträger werden auch in den kommenden Jahren die Hauptlast der Energieversorgung tragen. Zur Ausrichtung der zukünftigen Energieversorgung Österreichs sind daher Basisinformationen zur weltweiten Situation der Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit der Energierohstoffe zwingend erforderlich.
    Die Versorgungssicherheit ist für die Bewohner und in Österreich angesiedelte Industrie von höchster Wichtigkeit. Diese ist nur mit einem ausgewogenen, breit diversifizierten Primärenergieträger-Mix möglich.

  4. Erstellt am 20. Dezember 2009 um 16:02 | Permanent-Link

    Es sind die Skalenerträge, die außen vor bleiben

    Die von Periode zu Periode steigenden Netto- und Gesamtinvestitionen werden bislang auf eine immer weiter steigende Produktionsmenge /Stückzahl umgelegt. Daraus resultieren die sgn. Skalenerträge (Economic of scale). Was dann bei geringerem Stoffdurchsatz etwa durch längere Lebensdauer der Produkte passiert, ist ungeklärt bzw. noch nicht einmal diese Frage gestellt. Die weiterhin steigenden Investitionen – d.h. es wird immer mehr Geld investiert – müssen in den Folgeperioden auf immer weiter sinkende Stückzahlen umgelegt werden. Zwischen dem monetären BSP und der Menge an realen Gütern öffnet sich die Schere immer weiter.

  5. Erstellt am 20. Dezember 2009 um 16:28 | Permanent-Link

    Nicht Unterbindung von Wachstum, sondern um die Qualifizierung des Wachstums ist die gängige Antwort.

    Unsere Geldwirtschaft braucht zwingend Wachstum. Denn nur so kann der monetäre Mehrwert entstehen, der den Antrieb der kapitalistischen Wirtschaft bewirkt. Aus Geld mehr Geld zu machen. Oder: Kaufen, um teurer zu verkaufen. Der Zwang zum exponentiellen Wachstum ist hierin begründet.

    Nachdrücklich sei auch darauf verwiesen, dass exponentielles Wirtschaftswachstum sich in einem von Wirtschaftsperiode zu Wirtschaftsperiode ansteigenden Ausmaß von Netto-Investitionen ausdrückt . So ergibt sich daraus eine Wirtschaftsspirale statt einem Wirtschafts-kreislauf.

    Ein ausreichendes Ausmaß an Netto-Investitionen zur Aufrechterhaltung unseres Wirtschafts-systems ist somit unbedingt notwendig. Sie sind das ‘Um und Auf’ unseres Wirtschaftssystems, das durch Private getragen wird. Dabei sind es die Unternehmen, die idealtypisch diese Investi-tionen ständig immer weiter zu unternehmen müssen. Hierzu aber müssen sie Kredite aufneh-men, sich verschulden.
    In der Folge stehen die Unternehmen aber immer wieder vor der Frage, ob die mit diesen Kre-diten hergestellten Erzeugnisse am Markt auch verkaufbar sind, um so ihre Schulden wieder los zu werden. Nur wenn das so weiter funktioniert –und nur dann– kann auch der Staat über diesen Prozess ausreichend alimentiert. Und nur dann kann er in der Wirtschaft punktuell – und nur punktuell – hier helfend einspringen.
    Hier allerdings kommt die Frage auf uns zu, ob dieser Investitions-Gewinn-Mechanismus wei-ter auch unter der Bedingung der Qualifizierung – oder genauer gesagt, unter der Bedingung ei-ner Entmaterialisierung des Wachstums – funktionieren kann. Ob dies alles mit entmateriali-sierten Dienstleistungen verwirklicht werden kann, das ist die Frage.

    (Auszug aus: Ernst Dorfner,Ökologische Steuerreform und marktwirtschaftliche Dynamik, 1995

  6. Erstellt am 14. Januar 2010 um 15:23 | Permanent-Link

    In seinem Buch: “Was zu tun ist”, nennt Thomas Friedman folgendes Beispiel:

    In den nächsten zwölf Jahren soll die Weltbevölkerung um eine Milliarde Menschen anwachsen.
    Wenn wir diesen Menschen eine (!) 60-Watt-Glühbirne geben und sie eingeschaltet wird, so werden 20 neue Kraftwerke benötigt-nur damit die nächste Milliarde Menschen das Licht einschalten kann!

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