Nachhaltige Makroökonomie

Quantitatives Wirtschaftswachstum galt und gilt vielfach noch immer als zentrale Voraussetzung für Wohlstandsvermehrung, Beschäftigungssicherung, die Vermeidung von Verteilungskonflikten und die Finanzierung unserer sozialen Sicherungssysteme. Gleichzeitig generiert eine exponentielle Produktionsausweitung aber eine Vielzahl von Umweltbelastungen und kann an ihre natürlichen Grenzen stoßen. Bei möglicherweise künftig dauerhaft niedrigen Wachstumsraten stellt sich die Frage, wie jene Rahmenbedingungen verändert werden können, die die Wirtschaft und Gesellschaft derzeit von Wachstum so abhängig machen. Diskutiert werden Rahmenbedingungen für „Macroeconomics for Sustainability“, die ökologisch nachhaltig und sozial gerecht sind und wirtschaftliche Stabilität auf lange Sicht ermöglichen.

  • Könnten die hochproduktiven Volkswirtschaften auch mit einer längerfristig stagnierenden wirtschaftlichen Produktion oder gar einem Rückgang leben oder gibt es hier einen Wachstumszwang?
  • Welche Rahmenbedingungen müssten verändert werden um in einer Wirtschaft mit niedrigen (oder negativen?) Wachstumsraten ein gutes Leben für alle zu ermöglichen?
  • Welche politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Barrieren sind zu überwinden, um die notwendigen Anpassungen durchzuführen?
  • Wie viel an wirtschaftlicher Produktion brauchen wir? Wie können wir sie ökologisch verträglich erzielen und möglichst allen nutzbar machen?
  • Welche internationalen Regulierungen sind in einer globalisierten Welt notwendig, um nachhaltige Entwicklung zu unterstützen? Kann dies allein durch eine auf Strukturreformen orientierte Wirtschaftspolitik geschehen? Wie sollen globalisierte Märkte (Finanzmarkt, Rohstoffmärkte, etc.) reguliert werden?
Makroökonomische Fragen – Wachstum mit negativem Beigeschmack

Die neu gegründeten Unternehmen haben auch viele Fachleute und StudentInnen in die Region gelockt – weshalb sich auch Investoren für die Kleinstadt als Standort ihres neuen Einkaufszentrums interessieren.

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Frau Klein freut sich über das zusätzliche Angebot an Geschäften und hofft, dass sich nun endlich auch internationale Modeketten in der Kleinstadt niederlassen. Auch Herr Klein sieht den Bau des Einkaufszentrums für seine Kleinstadt positiv: Mehr Arbeitsplätze – vor allem für Pendler – bedeuten mehr Einkommen für die Region.

Er macht sich aber auch etwas Sorgen um die Umwelt: Zum einen soll ein großes Grundstück bebaut werden, das viele Bewohner als Naherholungsraum nutzen. Um das Einkaufszentrum an die bestehende Infrastruktur der Kleinstadt anzubinden, müssen neue und breitere Straßen gebaut werden. Zudem erhöht sich das Verkehrsaufkommen: Die internationalen Handelsketten müssen ihre Filialen mit Waren beliefern. Und das Einkaufszentrum lockt BesucherInnen aus der gesamten Region an.

Die regionalen Einzelhändler in der Innenstadt sehen der Entwicklung ausschließlich negativ entgegen: Sie sorgen sich um ihre Existenz und beklagen, dass der Gewinn der Handelsketten nicht vor Ort investiert wird.


2 Kommentare

  1. Sultana Gruber
    Erstellt am 18. November 2009 um 10:30 | Permanent-Link

    Ein richtiges ganzheitliches Konzept, welches die Nachteile abbaut, die Vorteile hervorstreicht und vermehrt wäre wichtig.
    Umweltaspekte:
    Wird das neue Konzept zur Versiegelung von zusätzlichen Grünflächen führen?
    Emissionen: Verkehr–> Man müßte hochrechnen, wieviel Emissionen werden erspart, wenn die Bürger dieser Stadt nicht wo anders sondern in der eigenen Stadt einkaufen? Versus wieviel Mehremissionen durch “Einkaufstourismus”.
    Detto mit Arbeitsplätzen. Wobei hier auch die soziale Komponente zu sehen ist.
    Gibt es keine Möglichkeit für öffentliche Verkehrsmittel? wenn ja, diese auszubauen?
    Einige Einheimische könnten sogar von dem Einkaufstourismus profitieren, indem sie innovative Ideen haben, einheimische Produkte anbieten, oder sogar entwickeln. Neuerlich sah ich eine Sendung über Dirndlschnaps, Cornelkirschen, eine alte Sorte neu entdeckt? an Ideen darf es nicht fehlen, dann können alle profitieren, vorausgesetzt, ein Dialog mit allen Betroffenen findet statt..

  2. CarolineHaberfellner
    Erstellt am 13. Januar 2010 um 15:27 | Permanent-Link

    Laut UNO wird die Weltbevölkerung voraussichtlich 2012 die 7-Milliarden-Marke erreichen. Bis 2050 wird die Bevölkerung um etwa ein weiteres Drittel wachsen. Will man den Lebensstandard der „neuen“ Menschen sowie jenen der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern auf das Niveau der Menschen in den Industriestaaten heben, dann wird Wirtschaftswachstum auch in den nächsten Jahrzehnten eine Grundvoraussetzung bleiben. Wachstum ist auch deshalb notwendig um – im Lichte des technologischen Fortschritts – Arbeitsplätze zu bewahren bzw. neue zu schaffen. Kurz gesagt, sichert bzw. erhöht Wirtschaftswachstum unseren Lebensstandard. Das ist der wesentlichste positive Aspekt, den „Wachstum“ mit sich bringt bzw. überhaupt erst
    begründet. Kurioserweise ist Wachstum einerseits die Triebfeder unseres Lebensstandards und andererseits auch gleichzeitig dessen größte Gefahr. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte führte zu enormen negativen Folgen für die Umwelt. Aber was kann getan werden um diese negativen Konsequenzen rückgängig zu machen bzw. zumindest nicht weiter auszudehnen? Es wird häufig argumentiert, dass – wenn Wirtschaftswachstum eine der wesentlichsten Ursachen dieser Entwicklungen ist – wir am besten aufhören sollten zu wachsen. Von heute auf morgen nicht mehr zu wachsen ist jedoch kein in der Realität umsetzbarer Lösungsvorschlag. Was wir jedoch schon heute ändern können, ist damit beginnen so gut wie möglich ökologisch nachhaltig zu wirtschaften und zu leben. Dabei wird es in den kommenden Jahren vor allem eine wichtige Rolle des Staates sein die richtigen Impulse für die Wirtschaft und Bevölkerung zu setzen. Unternehmen und die Bevölkerung können beispielsweise durch die stärkere Akzentsetzung in der öffentlichen Ausgabenstruktur (z.B. durch höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung im grünen Technologiebereich) oder durch die verstärkte Ausrichtung der Steuer- und Abgabenpolitik auf Umwelt- und Klimaziele zu einem ökologisch nachhaltigeren wirtschaften bewegt werden. Gleichzeitig ist auch eine Änderung veralteter, nicht nachhaltiger Rahmenbedingungen bzw. Strukturen notwendig.

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