Soziale Gerechtigkeit und Armut

Trotz Fortschritten in einigen Bereichen schafft das derzeitige Wirtschaftssystem nicht Wohlstand für alle, sondern verfestigt bestehende Verteilungsgefälle: Global als auch innerhalb einzelner Länder geht die Schere beim Zugang zu Ressourcen, Bildung, Arbeit, Vermögen und Einkommen auf.

  • Wie sieht gerechte Verteilung aus? Was sind Maßstäbe von Verteilungs- und Geschlechtergerechtigkeit?
  • Welche Aspekte eines Wirtschafts- und Finanzsystems wären zentral, um Verteilungsgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Vermeidung von Armut sicherzustellen?
  • Wie kann gleichzeitig Wohlstand, Lebensqualität und Verteilungsgerechtigkeit in den Industrieländern gehalten bzw. gesteigert und weltweit allen Ländern eine wirtschaftliche Entwicklung und ein Aufholprozess ermöglicht werden?
  • Mit welchen Instrumenten können Verteilungsgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Bekämpfung der Armut global und national wirkungsvoll sichergestellt werden?

Diskutierte Maßnahmen der Konferenz:

  • Mindesteinkommen und faire  Arbeits- und Lebensbedingungen generell, die ein gutes Leben ermöglichen
  • Maßnahmen, die einen freien Zugang zu Sozialleistungen garantieren
  • Nutzung von großen Spielräumen im Steuersystem, z.B. Reduzierung von arbeitsbezogenen Steuern, Einführung von vermögensbezogenen Steuern, . Keine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge und der USt, da sie Menschen mit niedrigen Einkommen jetzt schon überproportional belasten
  • Erweiterung der Debatte weg von einer reinen Steuerdiskussion hin zu einer Diskussion um soziale Gerechtigkeit
  • Starker Fokus auf Arbeitsmarktmaßnahmen, z.B. ein Hinterfragen des konventionellen Arbeitszeitmodells
  • Entwicklung von innovativen neuen Modellen, um soziale Risiken abzufedern
  • Mit Vorurteilen brechen, z.B. durch eine Thematisierung von menschlicher Würde oder der Förderung von Menschenrechten
  • Mehr Demokratie, z.B. mehr Mitbestimmungsrechte für Menschen mit Armutserfahrung
  • Vertretung eines globalen Ansatzes, um die Bekämpfung von Armut und soziale Ausgrenzung in einen breiteren Kontext zu stellen

Dieses Thema wird derzeit im Rahmen eines Science-Policy Stakeholder Dialoges weiter vertieft.

Produktion folgt Lohnkosten
Um im globalen Wettbewerb mithalten zu können, ist Herr Klein beruflich ständig auf der Suche nach Einsparungspotenzialen. Im Vorjahr wurden bereits 40 ArbeitnehmerInnen, vorwiegend Frauen, gekündigt. Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens hat sich dadurch nur bedingt erhöht, mit der Konkurrenz aus China kann die Firma aufgrund der hohen Produktions- und Lohnkosten dennoch nicht mithalten.

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Das Unternehmen produziert Geräuschdämmplatten aus Kunststoff für Bremsbeläge, die zwar in einem standardisierten, aber sehr arbeitsintensiven Produktionsprozess gefertigt werden. Nach intensiven Berechnungen von Hans Klein trifft die Geschäftsführung eine Entscheidung: Das komplette Werk wird geschlossen und die Produktion nach Asien verlagert. Der Vertrieb erfolgt weiterhin in Österreich. Durch die Schließung des Werkes verlieren 60 ArbeitnehmerInnen ihren Job.

Die Produktion der Geräuschdämmplatten erfolgt ab nächstem Jahr in Bangladesch. Im Großraum der Hauptstadt Dhaka leben mehr als elf Millionen Menschen, die mit der Hoffnung auf ein besseres Leben vom Land in die Mega-City gezogen sind. Doch dieser Traum erfüllt sich nur für Wenige: Der Großteil lebt in Slums am Stadtrand und arbeitet in Firmen wie der von Herrn Klein. Die ArbeiterInnen, die künftig die Geräuschdämmplatten fertigen werden, verdienen durchschnittlich 30 Euro pro Monat. Soviel, wie Herr Klein für die Flasche Wein ausgegeben hat, um mit seiner Frau auf den Gehalts-Bonus anzustoßen, den er aufgrund der erfolgreichen Sparmaßnahme erhalten wird. Herr Klein weiß aber: Sein Bonus ist nur ein Bruchteil des Gewinnes, den die Shareholder des Unternehmens durch die Produktionsverlagerung nach Asien erhalten werden.

Ein Kommentar

  1. Erstellt am 20. Januar 2010 um 18:57 | Permanent-Link

    Herr Klein könnte – falls er keine Erbschaft anzutreten hat – sich einer Hoffnung hingeben, daß es bald ein “Bedingungsloses Grundeinkommen” geben wird, wodurch er kündigen könnte, um, seinem Talent entsprechend, mit seiner Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr mehr Zeit zu verbringen. Der Gehalts-Bonus macht ihn nicht glücklicher: – wer weiß, ob die Firma nicht ohnehin bald ganz zusperrt!?! Er denkt, daß diese Krise ja ohnedies nur ein Zustand ist, in dem die Profite der Kapitalwirtschaft sinken. Eigentlich ist es nicht seine Krise. Was ihn nur sehr ärgert ist, daß das massenhafte Elend, das damit verbunden ist, für das Kapital keine Rolle spielt. Und er fürchtet, daß je mehr Menschen sich ärgern und vielleicht darüber auch in Zorn geraten, desto größer sei die Gefahr, daß es zu Revolten kommt – und daher entschließt er sich endlich und unterschreibt diese Unterschriftenaktion für ein “Bedingungsloses Grundeinkommen”, – damit der soziale Frieden und Zusammenhalt besser gewährleistet ist!

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