Lebensqualität/Messung von Wohlstand

Immer mehr Konsum führt nicht direkt zu immer mehr Lebensqualität. Gerade wenn die wirtschaftlichen Grundbedürfnisse einmal gedeckt sind, treten immaterielle Werte wie Gesundheit, Beziehungen und Sinnerfüllung in den Vordergrund. An Wohlstand und Lebensqualität der BürgerInnen muss letztlich auch der Erfolg einer Volkswirtschaft bemessen werden. Die übliche Methode der Messung von wirtschaftlichem Erfolg beruht im Wesentlichen auf einer einzigen materiellen Größe, ausgedrückt durch das BIP. Über den reinen Produktions-Erfolg hinausgehende Aspekte wie Lebensqualität, Umweltreichtum, gesellschaftliche Vermögens- und Verteilungsfragen bleiben dabei unterbelichtet.

Fragen, mit denen sich Wissenschaftler und Statistiker daher beschäftigen, sind:
  • Wie können wirtschaftliche Messinstrumente auf die Erfassung von Wohlstand und Lebensqualität hin ausgedehnt werden?
  • Wie können wir Verteilungs- und Vermögensaspekte als nützliche oder unerwünschte Konsequenzen unseres Wirtschaftens besser erfassen?
  • Welche international vergleichbaren Indikatoren, die eine realistische Alternative oder Ergänzung zu den BIP-Daten bieten, gibt es bereits?
  • Welche Daten, die Informationen jenseits der bestehenden Statistiken bieten, können zusätzlich genutzt werden? Können mit geringem Aufwand regelmäßig durchgeführte Datenerhebungen erweitert werden, und welche Fragen/Themenkomplexe müssten hier einbezogen werden?
  • Wie sind subjektive und individuelle Größen wie Wohlbefinden und objektive, technische Größen zu kombinieren?

Diskutierte Maßnahmen der Konferenz:

  • (Weiter-)Entwicklung von Indikatoren zur Wohlstands-, Wohlergehens- und Lebensqualitätsmessung nach dem Motto: „measure what matters“
  • Regelmäßige Messungen/Datenerhebungen, um Veränderungen im Zeitablauf feststellen zu können
  • Messgrößen sollten idealerweise demonstrieren, dass ein niedriger Umweltverbrauch mit hohem Wohlergehen einhergehen kann („good lives need not cost the Earth”)
  • Glaubhafte und verlässliche Messgrößen für menschliches Wohlbefinden müssen Sozialkapital mit in Betracht ziehen / die Bedeutung von sozialen Beziehungen („sociability“) für die Lebensqualität sollte mehr ins Bewusstsein von EntscheidungsträgerInnen gelangen
  • Politiken für die Erhöhung von Sozialkapital in der Stadtplanung, im Bildungsbereich, im Gesundheitssystem, in den Medien etc.
  • Die Frage der Verteilung  spielt eine große Rolle, da Menschen die in „gleicheren“ Gesellschaften leben (die sich z.B. durch ein geringes Einkommensgefälle auszeichnen) tendenziell glücklicher sind
Dieses Thema wird derzeit im Rahmen eines Science-Policy Stakeholder Dialoges weiter vertieft.
Materieller Wohlstand ist nicht alles
Herr und Frau Klein verbrachten einen wunderschönen Abend zu zweit: Zuerst wurde gemeinsam ein gutes Abendessen gekocht und mit Genuss gegessen, anschließend spielten sie bis weit nach Mitternacht ihr Lieblingsspiel Backgammon.

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Beide haben den Abend sehr genossen, denn Zeit zu zweit ist in den letzten Jahren selten geworden. Herr Klein schwebt noch im siebenten Himmel, während er am nächsten Tag einen interessanten Artikel in seiner Zeitung liest und daraus schlussfolgert: Obwohl er mit seiner Frau einen tollen Abend verbrachten, haben sie zum Bruttoinlandsprodukt und damit zum materiellen Wohlstand des Landes kaum etwas beigetragen.

Für das BIP wäre es besser gewesen, stattdessen den Abend in einem Restaurant zu verbringen, anschließend einen Unfall zu bauen und mit dem Taxi nachhause zu fahren. Ein Abend, der die Kleins wohl kaum glücklich gemacht hätte. Herr Klein versteht die Welt nicht mehr: Wie kann ein materieller Schaden zum Wohlstand der Nation beitragen, während sich andere Faktoren wie etwa Gesundheit gar nicht oder sogar negativ darauf auswirken? Zu denken gibt ihm, dass die von ihm persönlich erlebte Zufriedenheit oder sein Glücklichsein im Wohlstand der Nation keine Rolle spielen.

Ein Kommentar

  1. Erstellt am 13. Januar 2010 um 10:29 | Permanent-Link

    Es passt vielleicht nicht ganz an diese Stelle, doch scheint es mir ein wichtiger Punkt zu sein:

    Wenn wir als Gesellschaft etwas verändern wollen, dann ist es wichtig zu verstehen, dass der Wandel zuerst im Innern geschehen muss ( z.B.: Selbsterkenntnis: Konsum macht mich nicht glücklicher), dann erst passiert nach Außen etwas (z.B.:es wird weniger konsumiert). Dieser Veränderungsprozess ist im Sinne des systemischen Denkens (wir Menschen sind offene Systeme, Teil eines großen Ganzen) zu inizieren und zu gestalten. Wir wirken auf die Umwelt (ökologisch, sozial, ökonomisch) – sie wirkt auf uns zurück (Reziproizität – auf einander bezüglich).

    Zum Konsum: Wir Menschen streben seit jeher nach sozialer Anerkennung. Es ist nur eine Frage des “Zeitalters” wie sich soziale Anerkennung ausdrückt. Im Moment ist der Konsum bzw. das Haben mMn die stärkste Form, um soziale Anerkennung zu erlangen. Soziale Anerkennung ist ein Teil der Lebensqualität.

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